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Aufstehen, aufeinander zugehen

Aufstehen,
aufeinander zugehen.

„Shalom",
„Friede sei mit dir",
„Salemaleikum",
das sind die religiösen Begrüßungsformeln
der Menschen jüdischen, christlichen und muslimischen Glaubens.

Viele Menschen zweifeln daran, dass Religionen zum Frieden beitragen. Exzesse und
Terroristen, die sich auf den muslimischen Glauben berufen, morden unzählige
Menschen in Afrika und zum Beispiel bei Anschlägen in Paris. Fundamentalistisch
eingestellte Politiker in Israel schaffen es nicht, einen auf Verständigung zielenden
Dialog mit gemäßigten Palästinensern langfristig zu führen. Und auch wir Christen
in Deutschland konnten vor nur gut 70 Jahren nicht verhindern, dass
Nationalsozialisten unsere jüdischen Glaubensbrüder planmäßig vernichtet haben.

Leid auslösen, Schmerz ertragen, eigene Schuld erkennen – das sind unvermeidbare, unerlässliche
Lebenselemente. Sonst bleiben die Worte „Schalom", „Salemaleikum" und „Friede
sei mit dir" Gott verhöhnende Worthülsen. Denn darin stimmen die jüdische, christliche
und muslimische Religion überein: Kein Mensch, darf sich zu einer göttlichen Autorität
aufspielen! Gott wird in allen drei Religionen als „der Barmherzige" bekannt,
der den Menschen eine Würde verliehen hat und ihnen in Liebe zugewandt ist. Gottes
Gebote an Mose, das Leben und Wirken Jesu und das Reden und Tun Mohammeds
zielen auf ein friedliches Miteinander der Menschen.

Warum nur Unfrieden in der Welt?

Mühsam müssen wir es lernen, dass wir nicht mehr in geographisch
abgegrenzt, in sich einheitlichen Bereichen der Welt leben können.
Vielschichtige Meinungen unterschiedlichste Menschen sind im globalen Zeitalter
der Kommunikation selbstverständlich. Meinungsfreiheit ist mühevoll zu erlernen. Eigene
Freiheit beinhaltet dem anderen gegenüber auch Verständnis und Respekt entgegenzubringen
trotz seiner Andersartigkeit.

Doch viel Unverständnis verstellt oft den Weg. Uns fehlen Informationen und
Einsicht. Schnell nutzen wir unser begrenztes Wissen für die eigene selbstabsichernde
Argumentation.

Frieden, wie kann er gelingen?

Es bleibt nur der Dialog, das gegenseitige respektvolle Kennenlernen, im Hören und
Lernen von einander.

Doch das ist mühevoll, das erfordert Kraft und Einsatz. Viel schneller sind eigene
Urteile, manchmal Vorurteile, wiederholt oder Parolen gebrüllt.

Es muss geredet, die eigene Meinung vertreten und aufs Spiel gesetzt werden. Es gilt
lernwillig zu sein, Neues an sich heran kommen zu lassen.

Wie schnell schotten wir uns mit unserer eigenen Meinung ab und vermeiden den Austausch.
„Jeder hat seine Meinung!" genau dieses Recht soll gelten. Doch wenn ich die
Meinung des anderen nicht nicht verstehen, nicht verstehen wollen, dann ist die
Saat für Missgunst und Feindseligkeit gelegt.

Aufstehen, aufeinander zugehen, den Nachbarn grüßen, wenn etwas unverständlich ist
nachfragen, die Andersartigkeit akzeptieren in den Grenzen, die unser Staat
demokratisch gesetzt hat.

Reden und diskutieren – und auch hören und bedenken sind unsere stetige Aufgabe! Das
ist beschwerlich aber Menschlichkeit und Frieden fallen nicht vom Himmel. Vielmehr
noch Gebote, Rechte müssen selbst erlitten werden um sie selbst neu vertreten
zu können.

Ihr
Pfarrer Winfried Röder

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